Der sanfte Schein der Lichterkette spiegelt sich in meinem Glas, in meinen Augen, auf meiner Haut. Die Sonne ist untergegangen, warmer Wind streicht mir kaum spürbar die Haare aus meinem Gesicht. Augenlider schließen sich, atme tief ein und die lila Wolken wieder aus. Die Stadt um mich herum ist still, so still wie nie zuvor und auch in mir kehrt Ruhe ein. Nach mehreren hundert Zeilen, die ich vor Jahren verfasst habe lächle ich mild in den Sternenhimmel. Zeilen, die von den Hoch- und Tiefpunkten vergangener Jahre erzählen. Von einem Mädchen, dass nie erwachsen werden wollte. Von einem Mädchen mit einer tief sitzenden Angst vor der Einsamkeit und vor sich selbst. Von einem Mädchen, dass damals noch nicht wusste, dass man niemals wirklich "erwachsen" wird. Von einem Mädchen, dass damals noch nicht wusste, wie schön die Einsamkeit sein kann, wenn man vor sich selbst keine Angst mehr hat.
Jeder Ratschlag klang so irrational - fernab jeglicher Realität. Zahlreiche Nächte am Rande des Abgrunds, zahlreiche Gläser am Rande der Kraft. Stets nach dem Glück in anderen, anstatt in sich selbst gesucht und dabei nicht erkannt, dass das Glück stets zum Greifen nah war, stets zum Greifen nah ist. Der steinige Weg bis zur Einsicht scheint rückblickend so kurz, doch jeder Schritt vom Tal in Richtung Bergspitze erschien im Moment des Geschehens, als wäre es der letzte noch mögliche Schritt. Doch jeder Schritt über das scheinbar Unmögliche hinaus gibt heute die Sicherheit, dass alles möglich ist. Nicht, weil wir fest daran glauben - sondern weil wir es wollen und nicht aufgeben.
Und schlussendlich denk ich, kann ich auch ohne dich - ich will es nur nicht. Und eigentlich ist das auch unwichtig. Bist für mich wärmendes Licht und das hat viel mehr Gewicht, als ein übertriebenes Liebesgedicht - oder Zeilen in einem Lied, von dir für mich.